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"Seiner eigenen Würde gibt Ausdruck, wer die Würde anderer Menschen respektiert." Richard Karl Freiherr von Weizsäcker 1920-2015
Menschenwürdige Kommunikation – Wie ein theoretischer Ansatz entstand
Hartmut Kay Hirsch kam nicht aus der Theorie zur Praxis. Er kam aus der Praxis zur Theorie.
Als Kommunikationspädagoge beobachtete er über Jahre, was in Beratungsgesprächen, in Kindergärten, in Grundschulen immer wieder geschah: Kommunikationsmethoden scheiterten – nicht weil sie falsch waren, sondern weil der Empfänger sich überfordert, benachteiligt oder manipuliert fühlte. Die Methode kam an. Die Wirkung blieb aus.
Die Suche nach der fehlenden Komponente führte Hirsch zu einer Erkenntnis, die einfach klingt und weitreichend ist: Kommunikation gelingt dauerhaft nur dann, wenn sie die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Gegenübers nicht umgeht, sondern ausdrücklich achtet. Wo das geschah, war Ablehnung kaum noch beobachtbar. Wo das fehlte, entstand Konflikt – unabhängig davon, wie gut die Methode formuliert war.
Aus dieser Erkenntnis entwickelte Hirsch 2018 seinen theoretischen Ansatz der Menschenwürdigen Kommunikation (MWK).
Drei Anwendungsfelder – ein gemeinsamer Kern
MWK ist der theoretische Ursprung. Daraus entstanden zwei praxisorientierte Konzepte:
Die Entwicklungsfördernde Kommunikation mit jungen Menschen (EFK) – entwickelt für den pädagogischen Alltag in Kindergärten, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe.
Die Menschenwürdig Motivierende Kommunikation (MMK) – entwickelt für den allgemeinen und unternehmerischen Gebrauch.
Was alle drei verbindet: Kommunikation wird nicht als Technik verstanden, die man anwendet, sondern als Haltung, die sich in Sprache zeigt. Die innere Haltung entscheidet darüber, ob ein Satz Selbstbestimmung ermöglicht oder verhindert – nicht seine Formulierung allein.
Was 2022 geschah
Als der Gesetzgeber im Januar 2022 das Recht junger Menschen auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit im SGB VIII verankerte, war das für Hirsch keine Überraschung. Es war die gesetzliche Bestätigung dessen, was er vier Jahre zuvor theoretisch begründet hatte.
Seitdem ist klar: Die EFK ist kein pädagogischer Ansatz unter vielen. Sie ist der Kommunikationsstandard, den das Recht verlangt – und den die pädagogische Ausbildung bisher nicht vermittelt.
Das ist der Grund, warum das KommTheo-Institut existiert.
Leben:
Hartmut Kay Hirsch, geboren 1968, studierte Pädagogik mit der Fachrichtung Jugend-, Heim- und Kunsterziehung und arbeitete im Großraum Stuttgart als Erziehungsberater, Bewährungshelfer und selbständiger Kommunikationspädagoge mit eigener Praxis. Früh entwickelte er die Überzeugung, dass nicht pädagogische Methoden, sondern die tägliche Kommunikationssprache der entscheidende Hebel für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen ist.
Sechs Jahre lang war er beruflich als Verfahrensbeistand – Anwalt des Kindes – mit Zusatzqualifizierung als Gutachter im familiengerichtlichen Verfahren tätig. In dieser Rolle erhielt er Einblick in Grund-, Haupt- und Sonderschulen, der ihn in seiner Überzeugung nicht bestätigte, sondern erschütterte: Seelische Bestrafung war keine Ausnahme, sondern Alltag. Was er beobachtete, war keine böse Absicht – es war das Ergebnis einer Kommunikationskultur, die Pädagoginnen und Pädagogen keine andere Sprache und damit keine andere Haltung gelehrt hatte. Kinder wurden täglich in einer Sprache angesprochen, die ihre Würde strukturell nicht vorsah. Dieser Befund wurde zum Kern seines weiteren Wirkens.
2016 setzte er sich intensiv mit der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg auseinander – und erkannte dabei sowohl deren Wert als auch ihre strukturellen Grenzen im pädagogischen Alltag. Dies war der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines eigenständigen theoretischen Ansatzes.
2017 gründete er den gemeinnützigen Träger des heutigen KommTheo-Institut, die Kindesperspektiven gUG (haftungsbeschränkt) in Stuttgart. 2018 veröffentlichte er den theoretischen Ansatz der Menschenwürdigen Kommunikation (MWK) mit Originaldefinition und sieben elementaren Bausteinen. 2022 folgte die Publikation zur Kommunikation mit jungen Menschen im Kontext des reformierten SGB VIII.
Hirsch ist Begründer der Menschenwürdigen Kommunikation und lebt in Stuttgart.
Schriften:
- Kindespersperspektive als Handlungsgrundlage. BoD, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-752-84937-0 [3752849371].
- Menschenwürdige Kommunikation - ein theoretischer Ansatz. BoD, Norderstedt 2018, ISBN 978-3-746-05738-5 [3746057388].
- Elementare Bausteine menschenwürdiger Kommunikation. BoD, Norderstedt 2018, ISBN 978-3-746-05750-7 [3746057507].
- Menschenwürdige Kommunikation in Kindergärten und Schulen - Ideen für erfolgreiche Motivationen. BoD, Norderstedt 2018, ISBN 978-3-748-13890-7 [3748138903].
- Kommunikation mit jungen Menschen im Kontext des geänderten SGB VIII. BoD, Norderstedt 2022, ISBN 978-3754330197 [3754330195].
- Neue entwicklungsfördernde Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen. BoD, Norderstedt 2022, ISBN 978-3756856794 [3756856798].
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